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PREDRAG ČUDIĆ

Predrag Čudić, 1943 in Belgrad geboren, studierte an der Philologischen Fakultät der Universität Belgrad vergleichende Literaturwissenschaft. Sein Werk umfaßt mehrere Gedichtbände, Theaterstücke, Hörspiele, Fernsehspiele und Prosawerke, darunter auch Gedichte und Hörspiele für Kinder. Er übersetzte ungarische und russische Lyrik.

MENSCHLICHE SCHWÄCHEN. AUFZEICHNUNGEN EINES WIRRKOPFS

Übersetzt von Katharina Wolf-Grießhaber

Menschliche Schwächen. Aufzeichnungen eines Wirrkopfs entstand bereits Ende der sechziger Jahre, doch erst zehn Jahre später wagte ein Verleger, das Buch herauszugeben. Kaum erschienen, wurde es verboten. Dem Autor wurde vorgeworfen, er verbreite unwahre Behauptungen über die jugoslawische Gesellschaft und beleidige die Menschen, die aktiv am Aufbau des Sozialismus beteiligt waren. Predrag Čudić und seinem Verleger Slobodan Mašić wurde eine saftige Rechnung präsentiert. Für das Verfahren und die Vernichtung des Buches.
Der Held des Romans, der gleichzeitig Narrator ist, schildert seinen beschwerlichen Alltag und entwickelt "geniale" Theorien zum Nutzen der Menschheit. Wenn die Satire auch auf dem Weg zum Kommunismus spielt, so geht es nicht nur darum, den real existierenden Sozialismus zu entlarven und zu verspotten, sondern es geht um Utopien schlechthin. Die Lektüre ist gleichzeitig ein Streifzug durch die Weltliteratur, auf dem der Leser Bezüge zu Huxley, Swift, Dostojevskij Gogolj, Cechov, Bulgakov, Morgenstern und vielen anderen entdecken kann.
Die deutsche Übersetzung von Katharina Wolf-Grießhaber ist bei „Book on Demand“ erschienen.

Ihr habt keinen Grund, mir nicht zu glauben! Ich bin klein, krummbeinig, schnauzbärtig und blatternarbig. Ich weiß nicht, ob ich euch ein Foto zeigen soll? Aber auf dem Foto würdet ihr das gleiche sehen: klein, plump, krummbeinig, schnauzbärtig und blatternarbig. Für den Fliegenfang bin ich ausgezeichnet gebaut, weil klar ist, daß Typen von niedrigem Wuchs für die Fliegen besser sind, sie bewegen sich schneller und sind ausdauernder. Ich hab die Fliegen, vielleicht ist das mein Fehler, mit bloßen Händen gefangen. Die anderen hatten allerlei Gerät, Hilfsmittel... Es wäre am besten, ich würde abbrechen. Weil, nach allem zu urteilen, das, was ich tue, zu nichts führt. Wieso sollte es mir zusagen, die Wahrheit zu schreiben? Aber wenn wir nur die Wahrheit sagen wollen, dann ist das mit dem Vorhang, den ich vor Beginn heruntergelassen habe, reine Erfindung. Wart ihr da, als ich den Vorhang heruntergelassen habe, wart ihr bei meiner feierlichen Vorhangsenkung zugegen? Allerdings ist es eine traurige Wahrheit, daß ich doch am Wettbewerb für Fliegenmörder teilgenommen habe. Klar, der Wettbewerb war in Nepal, und ich hab hier bei uns Jagd gemacht, auf einheimische Fliegen. Als ich drei Körbe voll gefangen hatte, suchte ich nach einer Möglichkeit, mit meiner Beute nach Nepal zu fliegen, um den Preis entgegenzunehmen, aber niemand wollte mir die Reise bezahlen, zu Fuß wäre ich nicht rechtzeitig angekommen. Und so hat sich alles zerschlagen!
Jetzt bringt mich der Anblick der verendeten Fliegen zur Verzweiflung, hier läßt sich diese wertvolle Fracht nicht zu Geld machen. Sagt mir, was ich tun soll. Drei Körbe voller Fliegen, zwei Monate mühevoller Jagd? Ich habe alle Fliegen in der Umgebung vernichtet, und dafür will man mich nicht bezahlen! Tja, wenn ich in Nepal wäre, wäre ich jetzt reich! Ich komme gleich zurück, entschuldigt, eine ist vorbeigeschwirrt, weiß der Teufel, wo sie herausgeschlüpft ist! Vielleicht war sie nur verletzt, ist aus dem Korb entwischt. Habt ihr sie auch gehört? Sie ist mir aufmüpfig an der Nase vorbeigeschwirrt! Auf Wiedersehen, ich komm gleich zurück, ich will sie nur eben einholen. Huch, da bin ich ja ganz schön außer Atem geraten. Ich weiß, es ist überflüssig, das zu sagen, ihr spürt das. Ich hab sie bis zum Misthaufen gejagt, aber die muß erst noch geboren werden, die mir entrinnt. Da ist sie, liegt nun mit herausgerissenen Beinen und Flügeln da, tatsächlich hab ich ihr nur ein Bein gelassen, damit man sieht, daß sie lebt, ich hab sie bestraft. Ich will sie quälen. Wieso soll ich sie nicht bestrafen?! Wo nimmt sie denn, bitteschön, die Frechheit her, einen Fluchtversuch zu unternehmen? Soll sie sich jetzt doch keinen Zwang antun und fliehen, soll sie auf einem Bein davonhüpfen, ich schwöre beim heiligen Kreuz, daß ich sie nicht mehr beachten werde. Wollt ihr sagen, daß ich grausam bin? Aber, ich bitte euch, liebe Intriganten, warum interessiert ihr euch so sehr für meine Grausamkeit? Wenn ich grausam bin, dann laßt mich doch in Ruhe, kümmert euch um eure eigenen Angelegenheiten. Was schnüffelt ihr herum? Ich mach das alles ohne Bezahlung. Ich hab da keinerlei Interessen. Nein, daß ich ein Faulenzer und Parasit sein soll, lasse ich mir nicht nachsagen, wo ich doch unter Selbstentäußerung drei Monate lang Fliegen gefangen habe. Nein, ich will keinen Titel, kein Amt...

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