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Aus dem Mazedonischen von Will Firth
Das Fenster
Ich schaue durch das graue Glas, und mein Blick kommt nicht mehr zur Ruhe. Draußen lärmt die Straße. Tag und Nacht rauscht auf der Rooseveltstraße die Zeit vorbei, und ich habe keinen Anteil an ihr. Ich bleibe eingeschlossen zu Hause, bin verstört und vor mir selbst geflüchtet. Jetzt meldet sich auch meine Migräne wieder. Es schlägt zehn Uhr. Draußen reger Samstagsverkehr, in mir Regungslosigkeit. Bis um neun lag ich im Bett, dann stand ich auf und kochte Kaffee. Mit der Tasse kehrte ich unter die Bettdecke zurück und starrte irgendwo hin, nirgendwo hin, ins Nichts. Jetzt schaue ich durchs Fenster, erkenne aber nichts. Die Hektik lähmt mich, ich spüre Staub auf den Lippen und rieche die Autoabgase. Durch mein Auge schießen die bunten Farben der neuen Autos, die wie im Traum vorbeiflitzen. Markttag, denke ich mir, die Menschen machen Besorgungen: kaufen, kaufen, kaufen. Der Sommer dringt immer noch hartnäckig aus dem Asphalt und lässt es in meinen Schläfen höllisch klopfen. Mein Gott, wenn ich jedes weitere Wochenende meines Lebens so zubringen muss, wäre es besser, ich würde jetzt sterben, friedlich und zumindest ohne Angst. Die Menschen rennen dahin und dorthin. Wie verrückte Ameisen. Drüben unter den Bäumen gehen gelangweilt zwei Frauen, die eine etwas älter, die andere mittleren Alters. Gegenüber arbeitet der Automechaniker, er liegt gerade unter einem neuen Jeep. Ein Stück weiter, am Zaun des Instituts für Folkloristik, bebt ein Müllcontainer, belebt von einem bärtigen Rom. Seine nackten Füße baumeln in der Luft wie ein Hahnenkamm; der Kopf – da bin ich mir sicher – beschnüffelt am Boden des Containers die Reste der hedonistischen Tafel meiner Nachbarn. Eine beschwerliche Art, für die Familie das morgige Mittagsmahl zusammenzukratzen.
(Dodovski, Ivan: Aufräumen. In: Dodvski, Ivan: Der große Koffer. Erzählungen. Erata, 2008)
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