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VOJISLAV KARANOVIĆ

Vojislav Karanović wurde 1961 in Subotica/Serbien geboren. Er studierte Literatur an der Kunstfakultät von Novi Sad und arbeitete als Redakteur des Literaturprogramms beim Radio Novi Sad. 2007 wechselte er zum Fernsehen und ist nun in Belgrad als Redakteur tätig. Von 1992 bis 2005 war er Verleger für Poesie der Literaturzeitschrift "Letopis Matice srpske". Er verfasst Poesie, Radiostücke und Essays und war 2005 DAAD-Stipendiat in Berlin. Karanovic begann als neoavantgardistischer Lyriker, doch schon ab seinem zweiten Band näherte sich seine Poesie einer metaphysischen Tradition, die in ihrer Grundeinstellung an Namen wie William Blake, Friedrich Hölderlin oder Pascal anknüpft. Die Thematisierung der ungewissen Schwelle zwischen verschiedensten Realitäten, der des sprachlichen (Un)vermögens, der von Traumwelten, Phantasiewelten und von Welten aus Fakten rückt zunehmend in den Mittelpunkt von Karanovićs Gedichten.

Publikationen

Naše nebo (2007)
Dah stvari (2005)
Svetlost u naletu (2003)
Sin zemlje (2000)
Strmi prizori (1994)
Živa rešetka (1991)
Zapisnik sa budjenja (1989)
Tastatura (1986)

Preise

Branko Čopić Award

Branko Miljković Award

Mesa Selimović Award

The Golden Flower Award

2003 Gedichtband „Svetlost u naletu“ zum Serbischen Buch des Jahres gekürt

Vladislav Petković Dis Preis für sein poetisches Gesamtwerk.

GEDICHTE

Aus dem Serbischen von Jasmina Urukalo

Vom Sand

Sind Sandkörner
mit der Zeit zerkleinerte winzige
Teile von Steinfelsen,

oder sind es Sterne, die gerade
aus dem Schlaf erwachen, sich verschlafe
n im Bett winden?

Sind sie eine knirschende Unterlage
für unsere Schritte, weiche
Daunen, in welche die

Schwerkraft eingehüllt ist – diese Kraft,
die sich selbst in den Nacken bläst –
oder sind sie Stille,

Atem, den jemand fallen ließ,
und hinter ihm, diesem Atem,
gibt es nichts mehr?

Berührung

Wenn sich Blitze im Bett
regen, fangen die Schlangen an,
in ihrer Brut zu kriechen.

Die Pupillen mondfarben.
Zwei Milchtropfen auf den Plüsch
der Nacht getropft.

Du liest etwas, vielleicht
dieses Gedicht, aber die Buchstaben
fließen, schmelzen, verwehen

in alle Richtungen. Du versuchst,
dich in eine unwirkliche Welt
zu vertiefen, die flimmert

wie diejenige im Herzen eines Gletschers
oder in Sandkörnern
einer Wüste.

Die Hand hebt sich leicht,
gleitet über den Scheitel:
du berührst, was nicht ist.

Als ob du eine Sanddüne
streicheln würdest, oder ein
schönes Nomen:

Eisberg, zum Beispiel.

Sanftmut

Unter den Fingerkuppen
flimmert goldener Flaum
der Luft.

Das ist, wie wenn nachts,
kaum hörbar,
die Sterne prasseln,

weil eine Hand
sanft über den Scheitel
des Himmels gleitet

und die Strähnen des
geflochtenen Haares streichelt:
Gestirne.

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