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Aus dem Serbischen von Monika Milosavljević
Albert Einstein war bei meinen Eltern nicht sehr hoch angesehen, bis sie erfuhren, dass ihm der Bau der Atombombe zu verdanken war. Von da an stieg Einstein in ihrer Wertschätzung. Dass er belesen war, dass er Geige spielte, Deutsch sprach, obwohl er Jude war - all das war doch leichter zu ertragen wegen der Bombe. Besonders gut war, dass sich Einstein nach dem Krieg gegen die Bombe ausgesprochen hatte. Nur der, der etwas geschaffen hat, kann sich auch davon lossagen. So wie nur der, der etwas entdeckt hat, es am besten erklären kann.
Ich war in der Schule schlecht in Mathematik, wenngleich mir ihre Ambition, alles erklären zu wollen, gefiel. Ich entwickelte zahlreiche Theorien, von der Entstehung des Kosmos bis hin zur Rolle der einfachen Zahlen im Alltagsleben; meine Schulaufgaben habe ich jedoch nie verstanden. Albert Einstein verehrte ich deshalb, weil auch er in der Schule schlecht war in Mathematik, und doch war er zugleich in seinem Inneren ein genialer Mathematiker. Ich fragte mich: Wie kann das, was im Inneren verborgen liegt, nach außen gelangen und das ganze Menschengeschlecht überzeugen und faszinieren?
Es ist traurig, dass man Einstein mit der Bombe, seiner missglückten Ehe und dem Glauben an den allgemeinen Fortschritt der Menschheit in Verbindung bringt. Ich denke, dass Albert Einstein weitaus mehr verdient hat. Ungeachtet dessen, wohin die Menschheit geht und ungeachtet dessen, dass ich in der Wissenschaft nichts erreicht habe.
Erschienen in: Gerd Weinberg und Frank Berberich (Hg.). „Der Einstein-Komplex“. Heidelberg: Wunderhorn, 2005
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