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Aus dem Serbischen von Susanne Böhm-Milosavljevic
Den ersten Fernseher habe ich zu Beginn der 60-er Jahre bei N. gesehen. Ich erinnere mich gut: Der ganze Tag verging in nervöser, fast fieberhafter Vorbereitung. Es war Sonntag. Irgendwann am späten Nachmittag zogen wir uns festlich an, die ganze Familie, und machten uns zu Fuß auf den Weg an die Peripherie, zu Freunden, die vor allen anderen in der Stadt einen Fernseher gekauft hatten. Das erste, was ich schon aus der Ferne sah, war ein Mann auf dem Dach des von uns angesteuerten Hauses. Er bewegte sich vorsichtig über den Dachfirst wie ein Mondsüchtiger. Er richtete die Antenne aus, und die unten riefen ihm durch die sperrangelweit geöffneten Fenster zu: „Das ist nicht gut, dreh sie mal, noch immer nichts, nur Schnee, warte, da war was, da, nichts mehr bewegen, es ist wieder weg, mach es wieder so, wie es war, ja, so, ein bißchen nach links, nicht zu schnell, da ist es wieder, gut, faß nichts mehr an, mach sie fest …” Als ich bei Anbruch der Dämmerung in ein von Gegenständen und Menschen überfülltes Zimmer trat, erblickte ich das magische Quadrat des Bildschirms. Ich erinnere mich nicht mehr an das erste Bild, ob es um irgendein Fußballspiel ging (wie durch Nebel höre ich, wie jemand mit erhobener Stimme ununterbrochen: „Maier, Maier!” wiederholt), oder um eine jener frühen humoristischen Serien, derentwegen die Straßen damals wie leergefegt waren. Als hätten alle Bewohner aus Angst vor etwas Großem, Unfaßbarem und Unverständlichem die Stadt verlassen.
Ich zwängte mich irgendwie zwischen die anderen Körper und gebannt, aufgrund meiner Kurzsichtigkeit blinzelnd (ich glaube, daß man damals entdeckte, daß ich nicht gut sehe), begann ich, auf die Bilder der fernen, unbekannten Welt zu starren, vielleicht genau so, wie jener Junge aus Andrics Erzählung „Panorama”. Ringsum herrschte Stille, man hörte nur Atmen, der eine oder andere Alte räusperte sich bedeutungsvoll vor diesem Wunder, das im selben Moment, in dem wir ihm gegenüberstanden, alle anderen Wunder unserer kleinen, armseligen Provinzleben aufhob, all diese schönen, wirklichen Wunder, und uns von da an und für alle Zeiten zu seinen ergebenen Untertanen machte.
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