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Aus dem Kroatischen von Matthias Jacob
SPIEGEL DER WÖRTER
Aus Mandelblüten fügen sich Wörter. In den Wörtern wohnen Schmetterlinge, Leuchtkäfer. Im Wasser treibt eine Kette von Algen, glitzert im Dunkeln. In den Buchstaben der Duft von Salbei und Honig. Von Harz, Kiefernnadeln, Sand.
Von den Schiffwracks, eingewachsen in feinen Staub, werden die Namen gewischt. Der Mast ist im Hügel versunken, Korallen umwuchsen die Anker. Der Widerschein des Spiegels übersteigt das Spiel der Schatten.
Aus einer Knospe, die der Zweig geweitet hat, keimte Sonne, nachts traten Blüten hervor. Rundeten die Luft. Entfalten weiße Häutchen zu kleinen netzförmigen Kugeln.
TROCKENE FEIGEN
In der gedörrten Feige Körnchen von Licht und Honigtau für die bitteren Münder des Herbstes. Die leere Tasse hallt wider auf dem Tisch. Neben ihr Minze, Zitrone. Eine Biene hat sich an den Strahl der Sonne geklammert, kalter Schatten bedeckt sie gleich einem Schmetterling.
Eine dunkle Mauer. Man füllt Wein ab, kostet überreife Trauben. Vor langer Zeit geerntete Feigen werden auf Dachsparren gedörrt. Der Spätsommer klebt fest an den feucht gewordenen Früchten. Zucker funkelt.
In der Schachtel zwischen den Stängeln Finsternis. Man muss zwei, drei Blätter Lorbeer zufügen, sie trennen das dichte Gespinst, pressen es in Schweigen.
Bis Weihnachten entstehen an ihrer Haut Kristalle. Zuckerstaub. Frost jagt die Zeiger der Uhr. Es scheint, vom Deckel der Uhr ist Raureif gefallen, hat das Zimmer geweißelt, Feigen und Finger.
ABEND IM STEINHANG
Dämmerung tilgt die fühlbaren Seiten der Welt. Auf nassem Pfad steigen die Schafe. Kommen in drückende Schwüle. An den Hängen verdichtete Schatten.
Der Berg barst unter der Last des Abends, pellt sich und zerfällt, da kräuselt der Nachtwind das Meer. Gleiche Dunkelheit zieht hoch zu den Hügeln, zum All. Deckt die Anhöhen mit einem Haufen Sterne.
In der Felswand gefangen die Wolke; – sie tönt, wenn alles verstummt.
Die Insel, auf Grund gelaufen in Furchen ermüdeter Wellen, schwand wie ein Segel inmitten der See. Schatten salzigen Niederschlags sinken in längeren Fährten. In den Schründen keimt Mondrogen, die dunkle Rose des Alls.
SONNENWIND
Schiffe modern am Strand. Leuchten an den Rändern der Dunkelheit. Sonnenwind zerlegt Algen, häuft sie ans Ufer. Webt einen Strang aus dem Strandgut. Das Meer wich in den Sinter, entblößte durchfurchte Spuren.
Die Wellen pellen die Falten des Festlands. Feinster Sand greift das an seichten Stellen verteilte Licht. Die gesunkene Sonne verbreitet ein umgekehrtes Bild. Bricht es mit schrägen Strahlen.
Luftströme zerreißen die eingezogenen Schatten nicht. Die Kugeln der Wolken hüllen sich ein, schwinden in den Klüften des Himmels. Ineinander geflochten sind dunkler und durchsichtiger Ton. Brüchige Hülsen hallen noch nach.
Die Halme des Winds, die in porösen Felswänden blieben, nähern sich vom Gipfel der Insel. Über den tönenden Steinhang hinweg sprüht salziger Staub.
NACHTLIED
Die Nacht verfließt. Wir sind allein und das ist gut. Vielleicht kommt der Engel zu uns vom verlassenen Grab, erhellt mit einem Licht das Gesicht voller Sand. Sein Zeichen die Wolke, eine Bettstatt, auf die er sich legt vor Anbruch des Morgens.
Im feuchten Tauwerk funkelt Plankton. Fischschuppen sammeln Salz, Winde trugen es her vom anderen Meer. Der Strahl des Leuchtturms schneidet sich ein in das schwarze Pech, die dichte Membran der Bucht.
Überall Dunkel. Vielleicht wird Kohle der Raum, der mit den Schiffen schwindet. Der Wind holt die Netze ein; ausgeworfen an der Küste. Zwischen den Steinen – Stücke vertrockneter Algen. Verankerte Boote knarren.
Gefangen in Maschen verstrickt sich der Fisch in den Resten des Lichts. Nacht mindert den Raum. Möwen schnappen das Übrige.
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