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Aus dem Kroatischen von Dagmar Schruf
Währenddessen schlug ich mit einem Stein zwei Napfschnecken vom Felsen los und bot Gerda höflich eine an. Natürlich habe ich beide allein gegessen. Sie waren lecker, salzig und frisch. Wenn ich Napfschnecken esse, erfasst mich immer ein feierliches Gefühl wie bei einer Kommunion im Tempel des Meeresgottes. Napfschnecken - Hostie des Meeres. Das versuchte ich Gerda in einer Mischung aus Kroatisch und Englisch zu erklären, aber ich stieß auf eine Mauer von Unverständnis. Gerda fragte mich, ob ich religiös sei, ob man das denn bei uns sein dürfe? Ja, antwortete ich ihr, das darf man, ich glaube fest an Meeresgötter.
Im angenehmen Halbdunkel zwischen den Zypressen machten wir uns langsam auf den Weg zum Goldenen Kap. Es tat gut, schweigend in der Frische zu gehen, und wir beobachteten, wie die Finsternis zu beiden Seiten der hellen Straßenspur immer dichter wurde. Die Stimmung war fast feierlich, man konnte keine Witze machen oder auch nur ausgelassen sein. In solch einer Finsternis kommen sich die Leute näher, rücken zusammen, um sich vor erschreckenden Gedanken zu schützen. In solch einer Finsternis erwacht im Menschen jene Verunsicherung, die er von Geburt an in sich spürt, dieses Misstrauen gegenüber allem Unkontrollierbaren, und wir suchen sogar die Nähe von Leuten, die wir bei elektrischem Licht meiden würden. Wir kannten uns nicht, und Nähe war nur schweigend möglich. Jeder von uns hütete sich, etwas zu sagen, fürchtete die Konventionen des elektrischen Lichts zu verletzen, und sich später schämen zu müssen. Tschuck würde sagen: Wir versuchten zwischenstaatliche Missverständnisse zu vermeiden. Vielleicht hatte da auch schon alles angefangen.
Vielleicht hatte alles schon angefangen, aber keiner von uns konnte es wissen, dort, im Restaurant „zum Goldenen Kap“, wo schon getanzt wurde, als wir ankamen. Plötzlich waren wir im Hellen, sicher, fröhlich und verspielt, schlängelten uns lärmend zwischen den Tischen hindurch und schwenkten unser nasses Badezeug. Das Restaurant war eigentlich eine geräumige, überdachte Terrasse, deren Dach auf großen, grob behauenen Steinsäulen ruhte.
Wir setzten uns an einen Tisch am Geländer, bestellten Sardellen und Wein und blickten aufs Meer, das in seiner unübersehbaren, unbeweglichen, stummen Masse vor uns lag. Man konnte förmlich spüren, dass es da war.
(Aus: Antun Šoljan: Izdajice, Zora Zagreb 1968)
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