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Namik Kabil: Sam
Im Haus geht wieder eine Tür. Und wieder kommen Schritte die Treppe herab.
Die schwarze Spinne steht in der Garage, hält die Pistole schussbereit, nur die Augen sind zu sehen.
Ledersohlen nähern sich, werden lauter. Sie passen sich dem Rhythmus des Atems an; es dröhnt, als käme
ein Elefant. Wie viele Stufen hat die Treppe? Ein Schleier legt sich über meine Augen. Die Schritte werden
dumpfer, ich lausche darauf und werde ein anderer Mensch, einer, der keinerlei Verpflichtungen hat. Ich
sitze in einer Konditorei und trinke mit Geschäftsfreunden Kaffee. Durch das Glas hört man nicht, was wir
reden. Kaffee und Saft, Zigaretten, ich sehe auf die Uhr. >>>
Bekim Sejranovic: Fasung [1]
Ich mache interessante Beobachtungen. Wir setzen uns. An den Tisch. Trinken Bier.
Und Wein. Ich muss drei Mal so oft wie die andern. Die meisten sind zufrieden. Liegt es daran, dass sie
nicht so oft müssen? Die müssen nicht so oft. Ich bin überzeugt, dass allen aufgefallen ist, dass ich alle
fünf Minuten zum WC gehe. Ich sehe es ihnen an. Die müssten sich eigentlich wundern, wie schnell ich wieder
da bin. Denn ich brauche nicht länger als zweiunddreißig Sekunden. Fürs Pissen. Ich bin der schnellste Pisser
der Welt. Trotzdem sehe ich keinerlei Anzeichen, dass mich einer von denen am Tisch darum beneidet. Dafür gibt
es definitiv keinerlei Anzeichen. Selbst bei größter Aufmerksamkeit lassen sich keine entdecken. >>>
Bekim Sejranovic: Fasung [2]
Der Winter macht mir keine Angst. Ich hab keine Angst vor seiner Kälte. Die Länge
erschreckt mich. Im Winter fällt manchmal sogar Schnee. In manchen Ländern fällt im Winter viel Schnee.
In anderen praktisch keiner. Ähnlich ist es mit den Städten. In manchen gibt es Schnee, in anderen nicht.
Im Winter. Ich habe genau gesehen, wie ein dicker Ast unter dem Gewicht des Schnees abgebrochen ist. Schnee
ist schwer. Und nass. Falls er nicht trocken und pulverig ist. Kalt. Ich weiß noch, dass ich durch Schnee
gegangen bin. Vor langer Zeit. Ich weiß noch, dass er mir bis zu den Knien reichte. Vor langer Zeit. Heute
reicht er mir nicht mehr bis zu den Knien. Wir haben uns verändert. Der Schnee und ich. Erst ist er geschmolzen.
Jetzt ist die Reihe an mir. Zu schmelzen. Oder zu fallen. Sehr dicht. Und den Dreck zu verdecken. Der verschämt
aus mir rausguckt. Bis jetzt bin ich nur eisesstarr. Die Kälte der Luft. Der Druck ist stabil. Zu hoch für jedwede
Veränderung. Der Wind hat sich gelegt. Wie zum Trotz. >>>
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