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DAGMAR SCHRUF
  • Jahrgang 1964
  • Studium der Fotografie in Arles, Frankreich
  • Studium der Slawistik, Osteuropäischen Geschichte und Politikwissenschaft in Köln
  • Literaturagentin, Lektorin und Übersetzerin aus dem Kroatischen und Französischen
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Publikationen
Erzählungen von Vladan Desnica in: Der Besuch, Wieser 2008
Kurzprosa von Danijel Dragojevic in: die Horen 229, 2008
Erzählungen von Irena Lukšic und Mirko Kovac in: Istrien - Literarisch reisen, Drava 2008
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Boris Dežulović: Der rote Satan

Er marschierte schon fast eine Stunde lang, da hörte er hinter dem Wald ein Motorengeräusch, ähnlich dem von Onkel Irfans Jeep. Das Geräusch wurde lauter, jetzt klang es nach mehreren Fahrzeugen. Unfähig sich zu rühren und mit angehaltenem Atem blieb Mensur stehen, doch dann stürmte er über den Trampelpfad vorwärts als seien ihm Flügel aus dem Schulranzen gewachsen. Er rannte, fiel hin, rannte weiter, fiel nochmals, bis er den Waldrand erreichte, und sich ihm der schönste Anblick bot, den er je gesehen hatte: Um die Biegung am Fuße des Vuča Bergs schob sich durch Schneehaufen und schmutzige Fahrrinnen ein großer roter Lastwagen, geschmückt mit gelben und roten Lampen. Hinter ihm tauchte ein zweiter auf, dann ein dritter. Die rote Lastwagenkolonne verschwand hinter einem großen weißen Hügel, um wenige Augenblicke später auf der Straße direkt vor ihm wieder aufzutauchen.
Mensur stand am Straßenrand und betrachtete entrückt den Konvoi. Vor Glück und Aufregung stockte ihm der Atem. Der erste Lastwagen kam langsam näher und hielt direkt neben ihm. Als die Fahrertür geöffnet wurde und ein dicker alter Mann mit grauem Bart, ganz in Rot gekleidet und mit einer ungewöhnlichen roten Mütze ausstieg, dachte er, ihn würde der Schlag treffen.    >>>

Marinko Koščec: Wonderland

Jemand steckt im Treppenhaus fest und tastet fluchend nach dem Lichtschalter. Oh, Nachbar Zebić. Für den Aufstieg in den ersten Stock braucht er viel Raum und Zeit. Hinunter geht er jeden morgen sehr enthusiastisch. Am frühen Abend kehrt er dann wesentlich langsamer und diagonaler zurück. Für Leute wie ihn sind Kriege wie gemacht. Vor dem Krieg war er ein aus dem Portiermilieu exkommunizierter Nichtsnutz. Der Krieg hat ihn durch exakt drei Wochen Bewachung irgendeines Materiallagers zum Heimatschützer mit Invalidenrente befördert. Zeitweilig war er dank eines Existenzgründungskredits für ehemalige Kämpfer sogar privater Imkereiunternehmer. Bis er, voll wie eine Haubitze, seinen Laster mit den Bienenkörben in den Straßengraben fuhr. Tausende von Stacheln hat man ihm ausgezogen, und wir mussten tagelang die Fenster geschlossen halten, denn die Rache der Bienen schwebte über dem ganzen Viertel.    >>>

Davor Slamnig: Heiße Luft

„Hoppla!“, entfuhr es auch Branko und Stanko, denn plötzlich entzündete sich die Flamme. Ein Duft von verbranntem, wohl gepflegtem Schnurrbart zog über die Wiese. Rasch füllte sich der Ballon. Der Brenner spuckte Feuer und schwarzen Rauch und wirkte wesentlich effizienter als die restlichen Teile der Konstruktion.
„Also?“, fragte Montgolfier und rieb sich die Oberlippe. Der Korb stand noch auf dem Boden, doch der Ballon wiegte sich schon im Wind.
„Wir können uns wirklich nicht dazu entschließen...“, sagte Stanko.
„Passen Sie auf, ich überrede Sie ein letztes Mal“, sagte Harry. Der Brenner brannte mit voller Kraft, die Seile spannten sich, um den Korb gen Himmel zu ziehen. „Denken Sie nur an die halbe Stunde Fußmarsch zurück zum Gasthof, bei immer stärkerem Regen, in immer düsterer Dunkelheit und durch den gleichen Matsch, durch den wir hierhergestapft sind!“
„Wo er Recht hat, hat er Recht“, sagte Stanko und kletterte in den Korb. Branko stand noch immer unentschlossen auf der Wiese.
„Was ist?“, fragte ihn Stanko, der es nicht gewohnt war, dass sich einer von ihnen anders verhielt als der andere.
„Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch fliegt, hätte er ihm Flügel gegeben“, sagte Branko mit veränderter Stimme.
Die beiden im Korb sahen ihn erstaunt an. „Bist du denn noch nie mit einem Flugzeug geflogen?“, fragte Stanko. „Nein. Und so weit ich weiß, du auch nicht.“
„Das ist doch aber eine Frage der Vermögensverhältnisse und nicht der religiösen Überzeugung“, antwortete Stanko.
Harry mischte sich ein. „Meine Herren, wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch nicht fliegt, hätte er sicherlich dafür gesorgt. Vermutlich hätten wir dann Wurzeln.“   >>>

Antun Šoljan: Der Verräter

Währenddessen schlug ich mit einem Stein zwei Napfschnecken vom Felsen los und bot Gerda höflich eine an. Natürlich habe ich beide allein gegessen. Sie waren lecker, salzig und frisch. Wenn ich Napfschnecken esse, erfasst mich immer ein feierliches Gefühl wie bei einer Kommunion im Tempel des Meeresgottes. Napfschnecken - Hostie des Meeres. Das versuchte ich Gerda in einer Mischung aus Kroatisch und Englisch zu erklären, aber ich stieß auf eine Mauer von Unverständnis. Gerta fragte mich, ob ich religiös sei, ob man das denn bei uns sein dürfe? Ja, antwortete ich ihr, das darf man, ich glaube fest an Meeresgötter.   >>>

  ANN CATRIN APSTEIN-MÜLLER
  SUSANNE BÖHM-MILOSAVLJEVIĆ
  BRIGITTE DÖBERT
  WILL FIRTH
  PATRICIA FRIDRICH
  MATTHIAS JACOB
  ANDREA MEYER-FRAATZ
  MONIKA MILOSAVLJEVIĆ
  TATJANA PETZER
  PETER SCHERBER
  DAGMAR SCHRUF
  BLANKA STIPETIĆ
  JASMINA URUKALO
  KATHARINA WOLF-GRIESSHABER
Dagmar Schruf stellt vor

Boris Dežulović
Marinko Koščec
Davor Slamnig
Antun Šoljan

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